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1850 taten sich in Paris die Herren Ganneval, Bondier & Donninger zusammen, um eine Firma zur Fertigung von Meerschaumpfeifen zu gründen – ein mutiger Schritt in politisch sehr unruhigen Zeiten. Als Akronym wählten sie die Initialen ihrer Nachnamen. Ganneval kam vermutlich aus der Gegend von Saint-Claude, wo er das Pfeifenmachen erlernte. Bondiers Familie stammte offenbar aus Paris und emigrierte 1789 nach Genf. Er selbst arbeitete als Holzdrechsler in der Ton- und Porzellanpfeifenindustrie in und um Saint-Claude. Donninger schließlich war Österreicher oder Schweizer und arbeitete in Wien, dem Zentrum der Meerschaumpfeife. Bondier überlebte die beiden anderen um 30 Jahre. Ihre Plätze hatten andere eingenommen. Das Eigentum an der Firma GBD und damit der offizielle Name wechselte von

  • Ganneval, Bondier & Donninger
  • Bondier, Ulrich & Cie.
  • Bine, Marechal & Cie. endlich zu
  • A. Marechal, Ruchon & Cie.

GBD wurde als gut eingeführter Markenname beibehalten. August Marechal und Ferdinand Ruchon führten die Marke ins 20. Jahrhundert. Sie leiteten die Firma mehr als 50 Jahre lang.

Über die frühe Fertigung von Meerschaumpfeifen sind nur wenige Details bekannt. Wie anderswo auch, bestand das Gros in figürlich geschnitzten Köpfen. Es gab aber bereits Standardmodelle wie Bents, an heutige Dublins erinnernde Ableitungen von Tonpfeifen und frühe Bulldog-Varianten.

Sehr früh erkannten die Inhaber von GBD die unschätzbaren Vorteile von Bruyereholz für Tabakpfeifen. Kurze Zeit nach den ersten Fertigungen in Saint-Claude nahm man Kontakte dorthin auf und begann, von dort den neuen Rohstoff zu beziehen und in Paris daraus Pfeifen zu machen. Bruyerepfeifen überflügelten die aus Meerschaum bald als Hauptprodukt. Geschäft und Renommee entwickelten sich schnell und gut. Während der ersten 40 Jahre konnte GBD 15 Leistungs-Medaillen auf internationalen Ausstellungen weltweit erringen. Dies half, die Marke nicht nur in Europa, sondern auch in den USA, Kanada, Australien und etwas später in Südafrika erfolgreich einzuführen. Von Anfang an verwendete GBD nur das beste Bruyere bzw. entsprechend vorbearbeitete Pfeifenköpfe.

Die Notwendigkeit eines preislich weit gefächerten Angebots wurde durch eine Vielzahl von Materialien für die Mundstücke erfüllt: Bernstein, Horn, Elfenbein und sogar Quill wurden benutzt, bevor gegen Ende der 1870er Jahre Vulcanite immer häufiger eingesetzt wurde. Silber- und Goldbandagen waren sehr gefragt, und die bessere Kundschaft schätzte aufwändig gefertigte, maßgeschneiderte Etuis. Zum Ende des Jahrhunderts hin bot GBD 1.500 Modelle an, wobei zu beachten ist, dass Formen, die mit drei unterschiedlichen Mundstücken angeboten wurden, als drei unterschiedliche Modelle gezählt wurden. Eine Übersicht von 1886 zeigt ein Grundprogramm von 125 Formen, darunter 12 Billiards, 36 Bents und 46 Dublins und Dublin-ähnliche Formate - viele davon mit „Absatz“. Diese bildeten den Kern der Präsentation, die in Amsterdam 1888 gezeigt wurde. Ein grundlegendes Kennzeichen der GBDs war der schlanke, fast zierlich wirkende Holm. Rund 20 Jahre später, hatte sich das Angebot etwas geändert: Noch immer 36 Bents, die Billiards, jetzt 36, hatten an Popularität deutlich gewonnen und 32 Dublins / Zulus, einige noch mit Absätzen. Hinzugekommen waren immerhin 15 Bulldogs. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wurden Bernstein und Kunstbernstein noch vielfach benutzt, aber Vulcanite und Horn waren die populärsten Mundstücke geworden. Ein weiterer Zug der Zeit waren die mittlerweile in 30 verschiedenen Formen erhältlichen army mount, die sich wachsender Beliebtheit erfreuten.

Dieses deutlich „britischer“ ausgerichtete Angebot findet eine ganz einfache Erklärung: GBD war sehr bald nach der Jahrhundertwende, nämlich 1902, eine britische Marke geworden! Charles Oppenheimer hatte sein erfolgreiches Handelsgeschäft 1860 als Import-/Exporthaus begonnen. Seine Brüder David und Adolphe und Schwager Louis Adler unterstützten ihn dabei. Bruyerepfeifen gehörten zu den ersten gehandelten Produkten. Die Geschäftsbeziehung zu GBD in Paris begann 1870. Als höchst wichtiger Kunde erhielt Oppenheimer & Co. 1897 exklusiv den Vertrieb für Großbritannien, die USA und Kanada. Besonders Adolphe Oppenheimer interessierte sich brennend für das Pfeifengeschäft, und, wichtiger noch, Louis’ Sohn James Adler sollte die wichtigste Rolle bei der Übernahme von GBD spielen.

Neben anderen Interessen in Saint-Claude erwarb Oppenheimer die A. Marechal Ruchon u. Cie. in Paris, die dann als Marechal Ruchon & Co. Ltd. eine britische Firma mit vier Direktoren wurde: Adolphe Oppenheimer und James Adler saßen im Hauptbüro in London, während Auguste Marechal und Ferdinand Ruchon der unterdessen vergrößerten Fabrik in der Rue des Balkan in Paris vorstanden. Letzterer als 1. Vorsitzender der Firma.

Eine noch größere Fabrik entstand nach dem Erwerb durch Oppenheimer in Saint-Claude durch Umbau und Erweiterung der fusionierten Werke von Sina & Cie. und C.J. Verguet Freres unter dem Management von Lucien Verguet. Diese neue Saint-Clauder Fabrik war 1906 betriebsbereit und sollte, neben den eigenen kommerziellen Tätigkeiten, der Hauptlieferant für die vorgefertigten Pfeifenköpfe werden. Die gleichzeitig in London hochgezogene Pfeifenfabrik, 1903 eröffnet, kam bis in den 1. Weltkrieg hinein nicht so recht ins Laufen. Erst 1916 wurde registriert, dass von 27.000 Dutzend in Saint-Claude gefertigten Köpfen 18.000 Dutzend via GBD Paris für GBD London bestimmt waren. Womit London nun zum wichtigeren Fertigungsstandort geworden war.

Nach dem Krieg setzte GBD die Produktion sowohl in London als auch in Paris fort. Londoner Pfeifen gingen hauptsächlich in den inländischen Handel, sowie ins britische Empire und die USA. Paris bediente dagegen den französischen und die anderen europäischen Märkte. Die Standorte der Fabriken beeinflussten die Geschichte auch künftig, obwohl späterhin die Produkte beider Länder gelegentlich nebeneinander gehandelt wurden, um besonderen Marktanforderungen gerecht zu werden.

Bis 1920 und wenig später hatte Oppenheimer übrigens auch BBB (vormals A. Frankau), Comoy’s of London und Loewe & Co. übernommen. Um Aktivitäten in der Pfeifenbranche besser abzustimmen, wurde in den 1920ern alle diese Marken in die Cadogan Group eingegliedert, wobei eine weitestgehende Eigenständigkeit erhalten blieb. Die Oppenheimers und Adlers waren schließlich ja keine Pfeifenfachleute, sondern Kaufleute, die sich auf ihre Experten in den britischen und französischen Werken verließen.

Frühe GBDs wurden nur in einer einzigen Qualitätsstufe, später ergänzt durch eine zweite, gefertigt, und es gab nur eine begrenzte Anzahl an Oberflächenfinishes. Aber gegen Ende des 19. Jahrhunderts änderte sich die Nachfrage. Zum Beispiel bevorzugten die Briten dunklere Beizungen. Differenziertere Kundenwünsche machten die Einführung von Kennzeichnungen (sub brands) notwendig. GBD Xtra und GBD Special waren sehr frühe Modelle, bei denen der Zusatzname spezielle Endbehandlungen und Ausrüstungen andeutete. Die Standardqualität war einfach mit GBD gestempelt.

Die Ansprüche nach dem 1. Weltkrieg verlangten nach weiteren Unterscheidungen. Zunächst gab es die GBD London Made, die zur GBD Standard London Made wurde, gefolgt von der GBD New Era, die 1931 das Spitzenmodell zu 12½ Schillingen war. Die GBD Pedigree, obgleich schon um 1926 entworfen, wurde erst in den späten dreißiger Jahren hergestellt. Die GBD New Standard wurde eingeführt, um den beliebten Standards der zwanziger Jahre einen höheren Stellenwert zu geben. Ganz neu und ungewöhnlich war die GBD Prehistoric, eine tief sandgestrahlte, schwarze Pfeife, die immer noch den kleinen GBD Xtra Stempel trug.

Die französischen GBDs folgten mehr oder weniger den gleichen Entwicklungen, obgleich Xtra und Speciale noch sehr lange verwendet wurden. In den späten 1920ern wurde eine GBD mit einem Metallfiltersystem unter dem Namen Extra Dry eingeführt. Aus Paris kam in den zwanziger Jahren noch eine wichtige Neuerung mit der Einführung der eingelegten Metallplatte mit den GBD-Buchstaben auf den Mundstücken, die den Pfeifen einen weiteren „Hauch von Klasse“ verlieh. Diese Einlage, jetzt seit über achtzig Jahren im Gebrauch, wurde alsbald in London übernommen.

Die mittlerweile solide Nachfrage nach GBD Pfeifen ermunterte die Geschäftsleitung zur Einführung weiterer Marken, um neue Käuferschichten zu gewinnen. Als Zweitmarken von GBD können gelten:

  • Die City de Luxe von 1921 erhielt einen eingelegten Stern auf dem Mundstück als Markenzeichen und kam in England und in Frankreich auf den Markt. Diese Pfeifen wurden in den dreißiger Jahren in der 5½-Schilling-Klasse zum Verkaufsschlager in Großbritannien.
  • Mehr dem französischen Markt blieb die noch günstigere GBD-Marke Marcee vorbehalten, ein Derivat der Marechal Ruchon & Co. Ltd., das bis zum 2. Weltkrieg und noch ein, zwei Jahre danach angeboten wurde.
  • Die Camelia - auch in London als 2½-Schilling-Linie gefertigt - hielt sich nur wenige Jahre.
  • Zu erwähnen aus der Vorkriegszeit ist auch die Marke Riseagle, hergestellt in Paris für England und eine der erfolgreichsten 1-Schilling-Pfeifen bis 1939. Die Einführung des Luxusaufschlags auf die Verbrauchssteuer für Pfeifen nach dem Krieg machte dieser Billigmarke den Garaus.

Andere Marken aus dieser Zeit wurden mit größerer Eigenständigkeit vermarktet. Die Dr. Plumb’s wurde 1925 vom Pariser Verkaufsleiter J.B. Rubinovich bei GBD entwickelt, als der eine „Billigpfeife“ speziell für den kanadischen Markt suchte. Benannt wurde sie nach Rubinovichs Sekretär, Mr. Leslie W. Plumb. Dieser wiederum schrieb die Geschäftsbücher „schön“, was man wohl „to doctor figure“ nannte. Somit hatte die Pfeife ihren Namen weg. Eine weitere ist die Peter Piper, wie die Dr. Plumb’s dann in Saint-Claude hergestellt. Ein schönes Beispiel dafür, dass Stempelungen wie „London Made“ oder „London England“ auch bei älteren Pfeifenmarken nicht immer völlig vertrauenswürdig sind. Nicht nur heute werden in Saint-Claude ...zig Marken für Herren aller möglichen Länder gefertigt.

Im Jahre 1952 wurde die Herstellung der französischen GBDs mitsamt allen anderen geschäftlichen Tätigkeiten von Paris nach Saint-Claude verlegt. Durch diese Maßnahme wurde die Position von GBD auf dem französischen Markt in der Folge deutlich gestärkt, denn europäische Raucher brachten Pfeifen aus Saint-Claude offenbar größeres Ansehen entgegen als solchen aus Paris. Die GBD Standard, als grundlegendes Modell in neuem Finish und mit neuen Formen eingeführt, wurde zum sofortigen Erfolg und belebte den Verkauf in Frankreich wieder. Verguet Freres, wofür sich die Bezeichnung Marechal-Ruchon-Fabrik einbürgert hatte, stellte zügig neue Modelllinien vor und hatte in Sachen modernerer Formgebung bald die Nase vor London, wo weiterhin die Klassiker von vor 1939 produziert wurden, die in Europa und anderswo angesichts des aufkommenden dänischen Designs nicht mehr so gefragt waren. Die Ausnahme bildeten die großen und übergroßen Modelle der Londoner Produktion, hauptsächlich für den US-Markt gedacht und vorzugsweise hell gebeizt.

In Frankreich wurde schließlich mit der GBD Hand Made eine Linie eingeführt, die wegen ihrer außergewöhnlichen Qualität sogar Dunhill auf die Plätze verwies. GBD Frankreich hatte sich also sehr erfolgreich auf die nach dem Krieg stark veränderten Markterfordernisse eingestellt. London agierte sehr viel langsamer, ja behäbig. Zwar war die Qualität weiterhin ausgezeichnet, aber Formen und Finishes waren überholt. Erst in den sechziger Jahren brachten die vorzüglichen Freehands von Horry Jamieson - mit das Beste von GBD England - wieder eine Belebung.

In den 1970er Jahren ging einerseits der Pfeifenverkauf allgemein weiter zurück. Andererseits gewannen die dänischen Freehand-Manufakturen immer mehr die Oberhand in der Gunst der Käufer. Das löste in der überwiegend stockkonservativ ausgerichteten englischen Pfeifenindustrie erdrutschartige Veränderungen mit teilweise hektischen Fusionen und Übernahmen aus. GBD verlagerte die Produktion zunehmend nach England und es wurden, besonders 1976 und nochmals 1980, zahlreiche neue Serien eingeführt, die frischen Wind bringen sollten, aber diese Maßnahmen griffen nur unzureichend.

1980 hatte Oppenheimer die 1899 von Louis Orlik in Londons vornehmer Old Bond Street gegründete Pfeifenmarke Orlik (Werbespruch „Shrewd Judges Smoke Orlik Pipes!“) aufgekauft. Dieser hochangesehenen Marke, die zu Zeiten durchaus in direkter Konkurrenz zu den Nobelmarken Charatan und Dunhill. gestanden hatte, maß Oppenheimer den höheren internationalen Marktwert zu, weshalb die GBD-Fertigung 1981 zu Orlik in deren neue und hochmoderne Großfabrik in Southend-on-Sea (Essex) verlegt wurde.

Bereits bis Ende 1983 waren alle Pfeifenmarken der weit verzweigten A. Oppenheimer & Co Ltd. (BBB, Comoy's of London, Dr. Plumb’s, GBD, Loewe, Orlik und Sasieni) dorthin verlagert, wo sie, zu Geistermarken geworden, vom selben Band kommen ... Die Namensgebung ist wohl nur noch zufällig.

  • Zweitmarken: Außer den bereits genannten (Camelia, City de Luxe, Marcee, Riseagle) können GBD folgende Zweitmarken zugeordnet werden: Americana, Arizona, Autumn Gold, Beau Nash, Blue Jeans, Brunette, Chevreuse, Clubhouse, Cornwall (?), Country Club, Cyclone (mit Windschutzdeckel, 1976), Daddy, Davos, Digby, English Knight, Estacis, Fouquet, Garlan(d), House of Commons, Insignia, Irwin (mit Rum maturiert!), Kingswood, Medley (1981), Oxford, Peerless, Penthouse, Pinner, Racines, Rest Lite, Rockwood, Scorpio Deluxe, Silverado, Sovereign, Superflame (?), Topper, Triomphe, Wimbledon (?).
  • Private Brand Pipes (Bei diesen Marken bot GBD an, die Pfeifen mit dem Namenszug des jeweiligen Bestellers, ob einzelnes Geschäftes oder Händlerkette, zu stempeln): Cordoban (um 1976), Matt DeLuxe / Matt Special, Special A / Special B (sandgestrahlt; schwarz bzw. braun; 1981), White Ring (1980?),


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