S.E. Thile Pipes.de

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Im südwestlichen Winkel von Kentucky liegt das Calloway County, dessen kleinstädtischer Hauptort Murray heute vor allem durch die öffentliche Murray State University bekannt ist. Früher lag Murray sozusagen inmitten von Tabakfeldern, auf denen der Gold Leaf Tobacco als wichtigstes Erzeugnis des Countys gezogen wurde. Nicht weniger als 15 Tabakfabriken zählte man dort zu Zeiten.

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Dort lebt und arbeitet Scott E. Thile, der als junger Bursche mit 16 Jahren begann, Pfeifen zu rauchen und zu sammeln. Für Holz und das Bearbeiten von Holz begeisterte er sich, solange er sich erinnern kann. Professionelle Kenntnisse und Fertigkeiten erwarb er im Laufe seiner langjährigen beruflichen Tätigkeit als Klaviertechniker und –restaurateur. Ab und zu fertigte er auch Möbelstücke an.

Viele Jahre lang hing er dem Traum nach, eines Tages selbst eine Pfeife zu machen, bis er ihn schließlich im gereiften Alter von 48 Jahren wahr machte. Im Februar 2006 erhielt sie, als Etude #1 gefertigt, den Namen „The Piano Tuner's Pipe“. Sie litt fast unvermeidlich unter vielen Schwächen und Fehlern, aber für Thile war es eine wunderbare und beglückende Erfahrung – Er hatte Blut geleckt! Von da an widmete er fast jeden freien Augenblick dem Pfeifenmachen und dem Studium der Arbeiten der Meister dieses Fachs. Irgendwann, so seine Hoffnung, wird er zu dieser elitären Gruppe gehören. Allerdings bescheidet er sich vorläufig damit, erst einmal zu denen gezählt zu werden, die im Kommen sind.

Etude 22
Opus 1 PokerBash, Grade B

Wo es einen Willen gibt... In den USA ist es schwierig, wenn nicht schier unmöglich, eine formelle Ausbildung bei einem der hauptberuflichen Pfeifenmacher zu bekommen. Und selbst wenn er einen gefunden hätte, hätten seine Lebensumstände dies kaum erlaubt. Demzufolge ist er im wesentlichen Autodidakt. Zu seinem Glück erhielt er aber viele wertvolle Hilfen von den überaus engagierten Kollegen des amerikanischen pipemakersforum.com, das von Tyler Lane (Tyler Lane Beard) unter dem Motto „From rough block to finished pipe“ ins Leben gerufen wurde, und das tatsächlich als eine virtuelle Schule des Pfeifenmachens gelten darf.

Als weitere Quelle der Inspiration und Ermutigung sieht er die auf etlichen Pfeifenschauen geknüpften Kontakte mit hochrangigen Pfeifenmachern und namhaften Sammlern und schließlich den Zuspruch von Freunden, seiner Familie und Kunden.

Wie bereits gesagt, ist Thile hauptberuflich Klaviertechniker und –restaurateur, der u.a. für den Fachbereich Musik der Murray State University tätig ist. Daneben ist er aber auch selbst aktiver Musiker, so z.B. als Bassist der Gruppe Grumpy Old Men, benannt nach dem Film mit Jack Lemmon und Walter Matthau von 1993 (deutscher Titel: Ein verrücktes Paar). Er liebt Musik und ist fasziniert von Instrumenten und den Materialien aus denen sie sind gefertigt werden. Da kann es kaum verwundern, dass Thile einen großen Anteil seiner Inspiration aus der Beschäftigung mit musikalischen Elementen und Themen bezieht und bestrebt ist, deren Prinzipien auf sein Pfeifenschaffen zu übertragen. Aus Johann Sebastian Bachs zentralem Werk „Das wohltemperierte Klavier“ leitet er seine Vorstellungen von ebenso wohltemperierten Rauchinstrumenten (well-tempered smoking instruments) her. Ein fraglos hoch interessanter Ansatz!

Freehand 48, Grad C

Ebenso möchte er einige exotische Materialien, wie sie im Instrumentenbau geläufig sind, akzentuierend für seine Pfeifen benutzen.

Seine handgearbeiteten Pfeifen, die grundsätzlich niemals gekittet werden, unterteilt er nach Serien und Graden. Dabei zeigen die Serien einen zusammenhängenden Stil auf, während die Grade für die künstlerische und technische Qualität der jeweiligen Pfeife stehen, wobei auch das Finish mit einfließt. Sie verlaufen in aufsteigender Folge von D, C, B, A, S bis S+. Rustizierte Pfeifen werden generell mit D bezeichnet. Sandgestrahlte erhalten zumeist C oder D; bei ganz wenigen herausragenden Stücken auch einmal ein A. Die besten der glatten Pfeifen rangieren als A oder B, wobei Holzfehler zur Herabstufung nach C bzw. D führen. Die Grade S und S+, den Pfeifen höchster und allerhöchster Qualität vorbehalten, hat Thile bislang noch nie vergeben und rechnet auch nur mit ganz wenigen.

  • Die Etude Serie, nach dem französischen Begriff für ein kurzes musikalisches Übungsstück, umfasst Pfeifen, die bei der Entwicklung eines neuen Modells oder bei der einmaligen Umsetzung einer klassischen Pfeifenformen entstehen. Letztlich ist jede Etude hinsichtlich Form, Stil und Finish einmalig. Oft gehen Etude-Pfeifen durch Formabwandlungen in andere Serien über. Frühe Etudes waren übrigens nicht gegradet.
  • In der Serie Opus, die Thile nach der ersten Phase seiner Studien im Pfeifenmachen anging, finden sich „Katalogformen”, wie er es nennt, oder „Pfeifenfamilien“, die mit einiger Regelmäßigkeit angefertigt werden. Bislang (März 2008) gibt es die Opus 1, genannt PokerBash, und Opus 2, Variationen der klassischen Bulldog und Rhodesian.
  • In der Freehand Serie (FH) erscheinen schließlich Pfeifen, bei denen der Verlauf der Maserung die spätere Form vorgibt.
ASP POY 2008 Belge, Grad D

Alle Mundstücke sind handgeschnitten und bestehen aus bestem Ebonit oder Cumberland.

2008 erfuhr Scott E. Thile bereits eine bemerkenswerte Anerkennung seines Schaffens, indem er als einer der Macher der ASP-Jahrespfeife (ASP - Alt.Smokers.Pipes) ausgewählt wurde. Die POY 2008 ist übrigens von der sehr selten gewordenen Form Belge, die den alten Tonpfeifen entlehnt ist.


S.E. Thile Handmade Pipes
Scott E. Thile
1205 Doran Road
Murray, Kentucky 42071
USA
Telefon: 270-853-3312
E-mail: sethile.pipes@gmail.com
Webseite: S.E. Thile Pipes

Bilder © Scott E. Thile

Zur englischen Version Scott Thile